Geistliches Vorwort

Datum:
Fr. 16. Okt. 2026

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“

 

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

liebe Schwestern und liebe Brüder!

 

Im Dezember 1944 schrieb Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, aus seiner Gefängniszelle ein Gedicht für seine Verlobte Maria von Wedemeyer. Er wusste nicht, ob er seine Freiheit wiedererlangen würde. Wenige Monate später, im April 1945, wurde er im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Seine Worte sind geblieben. Sie sind keine Sätze aus einer heilen Welt, sondern Worte eines Menschen, der Bedrohung und Ungewissheit kannte.

 

Der November passt zu diesem Text. Wir gedenken der Menschen, die gestorben sind. Wir erinnern uns an gemeinsame Jahre, Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse. Manches ist mit Dankbarkeit verbunden, manches mit Schmerz. Der Tod gehört zu unserem Leben, auch wenn wir ihm lieber ausweichen.

 

Mit dem Ende des Kirchenjahres rückt auch die Frage näher, was von unserem Leben bleibt und worauf wir hoffen. Die christliche Antwort ist die Auferstehung: die Hoffnung, dass der irdische Tod nicht das Ende ist. Das nimmt auch einem gläubigen Menschen nicht die Trauer! Aber es eröffnet eine Perspektive, die weit über den Tod hinausreicht.

 

Bonhoeffers Text ist deshalb mehr als ein tröstliches Lied für schwere Stunden. Er stellt die Frage, worauf wir unser Vertrauen setzen, wenn wir nicht wissen, was kommt.

 

Vielleicht ist der November eine gute Zeit, sich dieser Frage Raum zu stellen, in der Erinnerung an unsere Verstorbenen, im Gespräch miteinander und im Blick auf das eigene Leben.

 

Ihr Pastor und Propst

Andreas Möhlig