Völkerverständigung und Dialog der Religionen

Do 29. Aug 2019
Yunus-Emre-Moschee (c) Andreas Herrmann

Moscheebesuch

Ein Bericht von Wilma Hensches

„Völkerverständigung und Dialog der Religionen“  mit diesen Worten bietet die Junus Emre Moschee in Aachen Besuche mit Führung an. Ein  Angebot, dem die Senioren aus Kornelimünster mit ihrer Leiterin folgten. Obwohl die muslimischen Menschen viele Jahre in unserem Land arbeiten und leben, wissen wir wirklich wenig über ihre Religion. Wissbegierig folgten wir daher den Ausführungen des Burak Akkoca, der auch Imam in dieser Moschee ist. Er ist von drei Imamen der, der auch die deutsche Sprache spricht. Er wurde in Deutschland geboren, hat teilweise in der Türkei und Deutschland islamische Religion studiert. So gelingt es ihm uns in angenehmer Atmosphäre seinen Auftrag für Völkerverständigung und den Dialog der Religionen zu vermitteln und Fragen zu beantworten.

Zwischen Elsaß- und Stolberger Strasse wurde die Moschee gebaut. Die grundlegende Idee war, den Bau der Umgebung anzupassen, deshalb ist die Moschee schlicht und zurückhaltend. Sie wurde von einem deutsch-türkischen Architekten entworfen. Das Innere wurde von einer Architektin aus der Türkei gestaltet. „Die Kosten des Baus beliefen sich auf   7,5 Millionen €. Doch diesen Betrag habe man durch die ehrenamtliche Eigenleistung der Gemeindemitglieder und der Bereitschaft muslimischer Firmen kostendeckend zu arbeiten, derart niedrig halten können. Schlüsselfertig schätzt man den Wert des Baus auf das Doppelte. Die Gesamtkosten zum Bau der Moschee sind aus Spenden zusammen gekommen. Das Grundstück wurde 1985 gekauft, als man eine Tankstelle übernahm, um später einen weiteren Teil des Grundstücks von der Stadt Aachen zu kaufen“, erklärte Burak Akkoca.

Unsere Führung war in der Mittagszeit angesetzt. Es waren  sehr viele Beter da, weil ein Totengebet stattfand. Überwiegend nahmen Männer daran teil. Die Männer waren sehr freundlich zu unserem großen Tross von Frauen.

Aus Rücksicht auf die Betenden in der Eingangsebene führte uns Burak Akkoca auf die 1. Etage.

Für die Bildung von Männern, Frauen und Kinder und die Erteilung von Koran-Kursen, gibt es große Vortragsräume und kleine Klassenzimmer. Auch große Räume mit Kücheneinrichtung für von Frauen gestaltete Gemeindeveranstaltungen mit gemeinsamem Essen, dazu Büro- und Verwaltungsräume und sanitäre Einrichtungen. Es gab keine  Bilder, auf denen Pflanzen, Tiere und Menschen abgebildet sind. Aber es waren sehr viele gerahmte Schriften zu sehen. Aus dem Koran übersetzte Weisungen für den Umgang der Männer mit Frauen. Diese Weisungen sind mit Respekt, Verehrung und Achtung gebündelt. „ Wenn der muslimische Mann mit diesen Weisungen erzogen wird, wie ist es möglich, dass er sich oft so matschohaft präsentiert?“ „Das ist kein Verhalten, das vom Islam gebilligt wird. Gewalt und Unterdrückung der Frau sind nicht mit der Religion und mit dem Vorbild unseres Propheten vereinbar. Kulturell und gesellschaftlich bedingte Vorfälle sollte man nicht dem Islam zuschreiben,“ antwortete Burak Akkoca.

Wir gingen ins Dachgeschoß. Ein Großteil dieser Ebene wird von der Kuppel eingenommen. Eine große Terrasse um diese Kuppel trennt den Raum zu den 9 Appartements. In jedem Appartement wohnen drei Studenten. Um eine Wohnung mieten zu können, brauchen diese Studenten einen Wohnberechtigungsschein. Diese Mieteinnahmen helfen die Kosten zu decken.

Auf dem großen Vorplatz hatten sich alle Beter vor dem Sarg des Verstorbenen gesammelt. Es wurden Gebete in türkischer und arabischer Sprache gesprochen. Es war eine Verabschiedung. Dann nahm ein Auto den Sarg auf, um ihn in seine alte oder neue Heimat zu überführen.

Nach dem wir unsere Schuhe ausgezogen und in ein Regal abgestellt hatten, folgten wir Burak Akkoca in den großen Gebetsraum der Moschee. Ein lichtdurchfluteter erhabener Raum. Er hat nur drei bodentiefe Fenster zu einer Seite, und die Glas- Kuppel, die den Innenraum weiträumig überspannt, versorgt ihn mit dem wechselhaften Licht des Tages. Kein Bildschmuck. Die Religion lehnt das ab. Auch in diesem Raum dient die Kalligraphie, auf Türkisch Hat genannt, als Schmuck. In dem großen Rund der Kuppel kommen die 99 Namen Gottes auf rotem Grund mit zierlicher auch goldener Schrift auf dem roten Flies wirkungsvoll zur Geltung. Die große Halle mit hellen Wänden,   einigen Gebets- und Predigtnischen und den Fußboden  mit einem hellblauen Teppichboden, der in Abständen von einem Meter Streifen aufweist, der den betenden Männern eine gewisse Ordnung bei der Platzierung vorgibt, läd viele Gläubige ein. Eine große Frauenempore überspannt die Hälfte dieser Halle, die mit einem Eisengitter begrenzt ist. Eine erhabene, von allem Überflüssigen frei gestaltete Halle, in der der Gläubige im Gebet seinem Gott nahe sein kann.

Der  Name der Moschee ist nach einem  bedeutenden Mystiker des 13. Jahrhunderts benannt.

Und der Rufer (Muezin) auf dem Minarett? Es bedarf einer Genehmigung im Wohngebiet zu diesem 5 maligen Gebetsankündigungen am Tag zu rufen. Den Rufer gibt es nicht, um mit den Anwohnern nicht in Konflikt zu geraten.

Und ist die Moschee unterkellert? „ Ja, ein großer Raum ist ausgebaut, darüber hinaus gibt es Stau- und Lagerräume,“ berichtete Burak Akkoca.

Die fünf Säulen des muslimischen Glaubens sind:

Glaubensbekenntnis, fünf mal beten am Tag, Fasten, Almosen spenden, wenn finanzierbar und gesund, einmal im Leben nach Mekka.

Es gibt zwei wichtige Feiertage. Das Opferfest und das  Ramadanfest, nach der Fastenzeit auch Zuckerfest genannt-

Burak Akkoca beantwortete folgende Frage:

In dem Auftrag Mohameds sagt er: „Mit Feuer und Schwert sollt ihr euren Glauben verbreiten. Das heutige brutale Blutvergießen der muslimischen Terroristen an unschuldige Menschen, resultiert das aus Mohameds Auftrag? Dies beunruhigt und macht Angst. Das steht doch wörtlich genommen auch unserem Vertrauen in der Völkerverständigung im Weg. Wie ist das zu verstehen?

Burak Akkoca antwortete:

„Sowohl die Koranverse als auch die Aussprüche des Propheten wurden natürlich alle situationsbedingt offenbart bzw. gesprochen. Wenn man sich das Leben des Propheten Mohamed einmal anschaut – welches ja sehr detailliert dokumentiert ist – wird man sehen, dass die Muslime zu seiner Zeit nur selten Krieg geführt haben und das auch nur aus legitimen Gründen der Selbstverteidigung. Der Islam spricht sich für den Frieden aus. Den Islam als Religion der Gewalt darzustellen, indem man einige Passagen aus den Quellen kontextlos präsentiert, ist nicht fair. Wie auch in den anderen Religionen hat der Frieden im Islam oberste Priorität.“

Wie distanziert sich ihre Glaubensgemeinschaft von dem Terror?

Burak Akkoca antwortete wie folgt

„Die Muslime distanzieren sich sehr vehement und deutlich von den Terroristen. Menschen mit radikalem Gedankengut machen nur einen prozentual minimalen Anteil der gesamten Muslime weltweit aus. Aber die Gräueltaten der Terroris ten finden in den Medien einen viel größeren Anklang als irgendwelche Deklarationen oder Präventionsarbeiten der Mainstraem-Muslime. Ich schreibe meine Masterarbeit zum Thema „Argumentationsmuster  gegen religiös motivierte Gewalt“ Von daher kann ich sagen, dass es viele Veröffentlichungen muslimischer Gelehrter, islamischen  Verbänden oder anderen  Institutionen gibt, die sich von Terror und von Terroristen distanzieren. Dabei argumentieren sie hauptsächlich aus der theologischen  Perspektive.

Auch in unserer Gemeinde distanzieren wir uns von Gewalt und Terror jeglicher Art. Um sich ein Bild davon zu machen, wie sich DITIB positioniert, können sie beispielsweise einen Blick auf unsere  Freitagspredigten werfen, die im Internet für jedermann frei zugänglich sind.

DITIB ist die Abkürzung für: Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religionen