Kinder des Lichts

Datum:
Do 19. Nov 2020

Rückblick auf eine außergewöhnliche Feier

Gruppenbild der Gefirmten 2020 (c) Lena Rass

„Ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und nicht der Finsternis.“ Zu finden sind diese Sätze im Ersten Thessalonicherbrief, und zwar im fünften Kapitel, dessen Beginn während des diesjährigen Firmgottesdienstes in der Benediktinerabtei Kornelimünster als Lesung vorgetragen wurde. Der Apostel Paulus ermahnt hier die frühe christliche Gemeinde von Thessaloniki dazu, das Kommen Christi zu jeder Stunde zu erwarten, selbst in der schwärzesten Nacht. Und er spricht ihnen Mut zu: Die Dunkelheit wird sich erhellen; der Herr wird kommen – selbst wenn viele es nicht mehr für möglich halten! Bis zu seiner Ankunft aber brauchen wir nicht an der Welt zu verzweifeln. Denn die Gläubigen kennen Gott. Sie stehen bereits jetzt, mitten in der diesseitigen Dunkelheit, unter dem Licht des künftigen Tages.

Ein passender Text für eine Firmung, eine Botschaft der Ermutigung und Bestärkung. Diese Botschaft erscheint geradewegs hinein gesprochen in unsere Gegenwart, etwa wenn es vorher in einer abermals bildgewaltigen Sprache heißt: „Wenn Sie sagen: ‚Friede und Sicherheit‘, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen einer schwangeren Frau, und sie werden nicht entrinnen.“ Diese Sicherheit ist vielen Menschen im Jahr der Corona-Pandemie verloren gegangen. Sie ist auch den Firmlingen verloren gegangen, die sich hoffnungsfroh auf die Firmung vorbereiten wollten und erleben mussten, dass der Firmweg kurz vor dem Kickoff abgesagt wurde. Und doch gab es für einige von ihnen das Licht eines „Türspalt-Angebots“: die Möglichkeit einer Firmung unter Corona-Bedingungen. Elf Firmlinge wagten es, hinter die Tür zu schauen – und fanden ein reduziertes und doch gehaltvolles Angebot, das Ihnen auch in der Rückschau noch gefiel. In kleinen Gruppen hatten sie sich z.B. mit dem Glaubensbekenntnis und mit der Rolle der Kirche in ihrem Leben auseinandergesetzt oder einen Gebetsraum nach den eigenen Vorstellungen gestaltet. Und zum Schluss nun also die Firmung in der Benediktinerabtei, einer der größten Kirchen in der GDG. Eingeladen waren zu diesem Fest allerdings nur die engsten Verwandten der Firmlinge, für die jeweils eine eigene Bank reserviert war, damit die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden konnten.

Keine gute Atmosphäre für eine Firmung? Keineswegs. Natürlich war es kein großer Event in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche. Es war eine intensive und gerade deshalb unvergessliche Feier, eine wirkliche Bestärkung in unsicherer Zeit, bei der die Botschaft der Firmung mehr denn je in den Vordergrund rücken konnte: dass wir Menschen zu Christus gehören und uns ihm anvertrauen dürfen; dass wir durch die Kraft des Heiligen Geistes berufen und gestärkt sind, als Zeugen für Christus in der Welt zu wirken. Die Firmfeier begann deshalb – ganz passend – mit einer kurzen Betrachtung des Emmaus-Bildes im Kreuzgang der Abtei, dessen Botschaft von Gottes Beistand selbst in tiefster Verzweiflung Patrick Wirges den Firmlingen erschloss.

Begrüßt wurden die Firmlinge anschließend von Abt Friedhelm, der die Abteikirche gerne für diesen Anlass zur Verfügung gestellt hatte. Zelebriert wurde der Gottesdienst von Weihbischof Karl Borsch und Pfarrer Dr. Andreas Möhlig, dem kommissarischen Leiter der GdG Kornelimünster/Roetgen. Schon zu Beginn hob Weihbischof Borsch hervor, dass die Firmlinge von Gott beim Namen gerufen seien; ihr Name stehe in Gottes Hand. Was immer auch geschehe, sie dürften darauf vertrauen, nie tiefer zu fallen als in Gottes Hand. In seiner Predigt führte der Weihbischof diesen Gedanken fort und betonte, dass uns Menschen auch die Heilige Schrift Sicherheit geben könne. Denn in ihr spreche niemand Anderer als Gott selbst. Weihbischof Borsch bat die Firmlinge deshalb, immer wieder einmal in der Bibel zu lesen. In diesem Zusammenhang erzählte der Weihbischof von einem persönlichen Erlebnis. Er erinnerte er sich daran, dass Papst Franziskus bei einer Audienz die anwesenden Gäste stets frage, ob sie an diesem Tag schon in der Bibel gelesen und dann auch ob sie womöglich sogar eine Bibel bei sich hätten. Seitdem der Papst diese Frage stelle, so Borsch, habe er selbst immer eine Bibel bei sich. Prompt zeigte er den Firmlingen eine kleinformatige Ausgabe der Evangelien mit dem Brustkreuz des Papstes auf dem Buchdeckel. Jedem Firmling wolle er ein Exemplar dieser Ausgabe schenken – zur Erinnerung an diesen Tag, aber auch als Kraft- und Orientierungsquelle für das künftige Leben. Das Wort Gottes solle ihnen so unter die Haut gehen wie der Chrisam.

Die Firmung fand anschließend unter genauer Beachtung der Hygieneregeln statt. Die Firmlinge blieben an ihren Plätzen stehen und trugen Masken; der Bischof kam zu ihnen, sprach sie mit ihrem Namen an und salbte sie. Hinter den Firmlingen standen wie immer die Firmpaten, eine Hand auf die Schulter des Firmlings gelegt. Dieses Zeichen der Bestärkung hinterließ einen noch stärkeren Eindruck als sonst: als symbolische Versicherung, dass die Menschen trotz allen social distancing in die Gemeinschaft der Glaubenden eingebunden bleiben. Eindrucksvoll auch die Musik an diesem Nachmittag. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Klara Rücker, die mit einem kleinen Ensemble u.a. eine Latin-Jazzmesse und Max Giesingers „Legenden“ zu Gehör brachte. Und eindrucksvoll nicht zuletzt die Fürbitten, die im Anschluss an die Firmung von Gefirmten, Eltern, Firmpaten und -begleitern gelesen wurden. Eine der Fürbitten lautete: „Herr gebe unseren Firmlingen Ausdauer, Selbstvertrauen und Zuversicht. Mit diesen Werten werden sie auch in Zukunft die schwierigen Lebensphasen meistern, denn nach Regen kommt immer wieder Sonnenschein.“ Dies ist die moderne Version jener frohen Botschaft vom Licht in der Finsternis, die Paulus zu Gehör brachte: eine Botschaft, die am 15. November von der Firmfeier in der Abtei nach außen ging: in die Gemeinschaft der Gemeinden Kornelimünster/Roetgen, in das Bistum Aachen, ja in die weite Welt hinaus.

Alexander Schüller