Neues Lektionar ab dem Ersten Advent 2018

Do, 22. Nov 2018

Am Ersten Adventssonntag 2018 wird im deutschen Sprachgebiet ein neues Lektionar eingeführt. Ab diesem Datum wird in den Gottesdiensten der Sonn- und Festtage das Lektionar III/C verwendet.

Lektionar (c) Rainer Sturm, Pixelio
Lektionar

Es enthält die biblischen Abschnitte – zusammengestellt zum Verlesen im Gottesdienst –, die sich im Lesejahr C besonders am Evangelium nach Lukas ausrichten.
Nicht die Auswahl der Bibeltexte, die gelesen werden, ändert sich, sondern die Übersetzung.

Schon im Jahr 2003 wurde von den Bischöfen des deutschen Sprachgebiets beschlossen, die für Verkündigung und Liturgie im Jahr 1979 erschienene sogenannte Einheitsübersetzung zu überarbeiten und die bisherige Fassung auf den aktuellen Stand der Bibelwissenschaft zu bringen – eine Übersetzung ganz nah am Grundtext. Zugleich sollten zeitbedingte Formulierungen und Ausdrucksweisen in eine moderne Sprache überführt werden. Im neuen Lektionar werden ungewohnte Formulierungen der revidierten Einheitsübersetzung von 2016 aufmerken lassen und dazu einladen, das „Wort des lebendigen Gottes“ neu zu hören.

 

Das heißt konkret:

  • Mit der Übernahme des neuen Textes wird der Gottesname jetzt mit HERR (in Kapitälchen) wiedergegeben. Dies ist geschehen in „An-lehnung“ an den hebräischen Gottesnamen J-H-W-H, der von keinem Juden ausgesprochen wird. Stattdessen werden Ersatzbegriffe verwendet wie Adonaj, der Ewige, der Gegenwärtige, … Gemeinsam ist diesen Begriffen, dass menschliches Reden über Gott immer nur Annäherung ist. So ist auch der Name HERR (in Kapitälchen) nur eine „Hilfskonstruktion“. Das Schreiben in Kapitälchen soll deutlich machen, dass es sich nicht um eine Geschlechtszuschreibung handelt, sondern um den Namen Gottes. Was als optische Hervorhebung im geschriebenen Text erscheint, ist im Vortrag der Lesung nicht oder nur schwer zu betonen.
  • Neutestamentliche Briefe, die sich an eine Gemeinde richten, werden eingeleitet mit den Worten "Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in ...". Sie richten sich also nicht mehr an die Gesamtheit der Bürger einer Stadt ("an die Römer"), auch nicht nur an die männlichen Römer, sondern an eine Gemeinschaft von Christinnen und Christen.
  • Die Anrede "Schwestern und Brüder" steht vor den neutestamentlichen Lesungen, die sich an eine Gemeinde richten. „Brüder“ als Anrede ist im Griechischen ein kollektiver Begriff, der eine Gruppe aus Männern und Frauen bezeichnet.
  • Am Ende jeder Lesung steht die Zusage an die Gemeinde „Wort des lebendigen Gottes“. Das mag bei schwierigen Texten unpassend erscheinen, doch sind die von Menschen gesprochenen Worte immer auch Gottes Wort. Die ganze Bibel ist Gottes Wort im Menschenwort.

Die sogenannte Leseordnung – die weltweit geltende Auswahl der Schrifttexte – bleibt unverändert erhalten. Die Lektionare mit dem erneuerten Bibeltext erscheinen in den nächsten Jahren nach und nach. Ihre hochwertige Einbandgestaltung weist darauf hin, welcher Stellenwert der Heiligen Schrift in der Feier der Liturgie und im Leben der Gemeinden zukommt.

Redaktion: LITURGISCHE BÜCHER, Trier 19.7.2018; Deutschsprachiges Liturgisches Institut der Schweiz; Cordula Kanera-Neumann; Marielies Schwering