Heute: Alexander Schüller

Alexander Schüller (c) privat
Mo 16. Dez 2019

Gesichter an der Himmelsleiter

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich in der Gemeinschaft der Gemeinden ehrenamtlich engagieren. Sie schenken ihre Zeit und stehen für die Vielfalt in der Kirche.

Mehr noch: sie bilden und sind Kirche.

Zur Person

Dr. Alexander Schüller, 41 Jahre, Schulrat im Kirchendienst  

Ehrenamtlich engagiert in der Messdienerausbildung und -begleitung, als Mitglied des GdG-Rates und der Sitzungen des Pfarreirats St. Kornelius

Wie bist Du zum Ehrenamt gekommen?

Als Messdiener habe ich 1989 in St. Kornelius und 1990 in der Benediktinerabtei Kornelimünster begonnen. Nach einigen Jahren habe ich - zusammen mit meinem Bruder – in St. Kornelius die Aufgaben des "Obermessdieners" übernommen. Während meines Studiums habe ich mein ehrenamtliches Engagement, zu dem zeitweise auch die damals in den Anfängen liegende Jugendarbeit gehörte, weitgehend einstellen müssen, ohne jedoch das Ministrieren ganz aufzugeben, da die Zahl der Messdiener in der Abtei Mitte der 2000er Jahre nicht allzu groß war und ich bei Hochfesten immer wieder aushelfen durfte. Nach dem Abschluss des Studiums hat es mich aber wieder "gepackt". Heute begleite ich die Messdiener der Abtei und einen Teil der Ministranten der Propsteikirche und biete zusammen mit Pater Christian und Steffi Schüller einmal im Monat am frühen Samstagnachmittag eine Veranstaltung für die neuen und jüngeren Messdiener an, bei der wir Liturgie und Kirchenjahr ebenso sehr erkunden wie die Kirchen der GdG. Zur Kornelioktav bieten wir seit letztem Jahr auch eine Messdienerwallfahrt an. Wichtig ist mir bei allen diesen Aktivitäten, dass die Kinder und Jugendlichen die Schätze der Liturgie einerseits und der Tradition Kornelimünsters andererseits entdecken und sich dabei als Gemeinschaft erfahren.

Zur Mitarbeit im GdG-Rat bin ich gekommen, weil ich angesprochen wurde und zugleich das Gefühl hatte, es sei an der Zeit, sich in einem Gremium zu engagieren und so Farbe zu bekennen.

Wieviel Zeit bringst Du wöchentlich für Dein Ehrenamt auf?

Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem welche Aktivitäten und Sitzungen anstehen. Die Spanne reicht von zwei bis circa acht Stunden.

Wo liegen Deine Talente?

Ich glaube und hoffe, dass ich Kinder und Jugendliche in ihrem Denken, Fühlen und Handeln ernst nehme. Denn ich möchte nicht über sie hinweg reden, sondern erfahren, was sie umtreibt, wofür sie sich begeistern – und begeistern lassen. Manchmal gelingt mir es sogar, sie für etwas zu begeistern, allerdings nur, weil ich selbst ein Begeisterter bin – begeistert von der Vergangenheit und Gegenwart unseres Ortes und seines kirchlichen Lebens. Mit jener Begeisterung hängt vielleicht auch zusammen, dass ich ganz gut erzählen kann. Nicht zuletzt liebe ich die Sprache, arbeite täglich an und mit ihr. Das hilft mir, Sachverhalte in Sitzungen angemessen auf den Punkt zu bringen. 

Welche Momente sind besonders fruchtbar und schön?

Nach Allerseelen haben wir mit den jüngeren Messdienern die Gräber der verstorbenen Mönche aufgesucht und auf jedes eine Grabkerze gestellt. Plötzlich fingen die Kinder und Jugendlichen an, nach den Verstorbenen zu fragen. Sie wollten z.B. wissen, warum der eine Mönch jung gestorben ist oder warum ein anderer weder als Pater noch Frater bezeichnet wird. Auf dem jüdischen Friedhof wiederum waren die Kinder bei einer anderen Gelegenheit so bewegt vom Schicksal der Juden (nicht nur Kornelimünsters), dass sie aus eigenem Antrieb plötzlich Steine sammelten und auf die Gräber legten – nach jüdischer Tradition und als Zeichen gegen das Vergessen. Ich fand es wunderbar, dass sie sich anrühren ließen von Menschen, die sie nicht kannten und nie kennenlernen werden. Unversehens war das Vergangene gegenwärtig, das vermeintlich Tote lebendig.

Was regt Dich auf?

Mich regt es ungemein auf, wenn ehrenamtliches Engagement zwar gelobt, aber nicht unterstützt, sondern im Gegenteil sogar manchmal ausgebremst wird. Dadurch entsteht Frust, der Todfeind des Ehrenamtes. Wir Ehrenamtler engagieren uns, weil wir nicht den Status Quo verwalten, sondern etwas bewegen wollen. Und wir alle müssen uns bewegen, wenn die Kirche nicht erstarren soll.

Worin findest Du Deinen Ausgleich?

Meinen Ausgleich finde ich, wenn ich Musik hörend, in Kornelimünster spazieren gehe und meinen Gedanken nachhänge. Vor allem aber brauche ich zum Ausgleich – und mehr als nur zum Ausgleich – Bücher, Bücher und nochmals Bücher.

Welcher Ort/Platz lädt Dich zum Träumen ein?

Auf dem Korneliusmarkt und in der Benediktinerabtei bin ich ganz bei mir und doch woanders. Das nennt man wohl träumen.

Drei Worte: Kirchliches Ehrenamt ist…

(wie einst der heilige Franziskus im Traum von Papst Innocenz III.) die Stütze der Kirche.

 

Die Fragen stellte Margit Umbach, Dezember 2019